Marcomagus und Marcomago vicus

von OStR i.R. Felix Bretz


Neue Erkenntnisse

- Dr. Salvatore  Ortisi, Privatdozent an der Kölner Universität, hat mit seinen Studenten zwischen Görresburg und Steinrütsch einen römischen vicus entdeckt. Er äußert in einem Grabungsbericht, den die Gemeinde Nettersheim in ihrem amtlichen Mitteilungsblatt veröffentlicht hat:  „Auch wenn die entscheidende Inschrift noch nicht gefunden wurde, ist es sehr wahrscheinlich, dass der vicus von Nettersheim mit der auf zwei Straßenkarten verzeichneten Station Marcomagus identisch ist.“

- So sehr die Ausgrabungen und ihre Ergebnisse zu begrüßen sind, veranlasst die Maßnahme uns alle,  erneut über den gefundenen römischen vicus und die Lage des keltischen Marcomagus nachzudenken.

- Nach meiner Kenntnis ist in den antiken Schriften, ob Peutingeriana oder Itinerarium Antonini an keiner Stelle die Rede von einem „vicus marcomagus“ , also einem vicus, der den Namen marcomagus trägt.

- Auf der Peutingeriana, die ursprünglich auf Agrippa zurückgeführt wird, ist nur Marcomagus  vermerkt. Die Karte zeigt den Zustand in frührömischer Zeit, nachdem Billig und Zülpich mit dem Land der Eburonen von Cäsar zerstört worden waren und für die Römer nicht mehr existierten. Ihre Namen sind wohl deshalb auf der Tabula Peutingeriana nicht vermerkt.  Der römische vicus hinter der Görresburg, ich sage „hinter dem Götterberg“ wurde später gebaut.

- Im Itinerarium Antonini ist die Rede von einem „marcomago vicus“, also einem vicus in der Gegend bei marcomagus.

-  Es ist wichtig, im Folgenden  'marcomago vicus' nicht mit  'vicus  marcomagus'  zu  verwechseln.

- Es sei festgestellt: marcomagus (keltisch) und marcomago vicus (römisch) sind nicht identisch!

- Mit der Feststellung, dass marcomagus und marcomago vicus nicht identisch sind, ist die genaue Lage von marcomagus zunächst unklar.

Aber wo lag der Ort Marcomagus der Tabula Peutingeriana?

- Marmagen ist keltischen Ursprungs und existierte lange Zeit, bevor der vicus  'Auf der alten Gasse' bei Nettersheim angelegt wurde.

- Cäsar traf bei seinem Feldzug durch  die Arduennas (Ardennen),  zu denen auch die Eifel gehörte, im Gebiet der Trevirer (Treverer) auf befestigte Höhensiedlungen.  Marcomagus lag im nördlichen Randgebiet der Treverer auf einer Hochebene.

- Von Veith sieht im 19.Jahrhundert im Ortskern des heutigen Marmagen den keltischen Ort Marcomagus.

- Der Ortskern  gleicht der bei Niederzier- Hambach gefundenen keltischen Siedlung.  (ovaler Grundriss, ähnlich große Ausdehnung, doppelte Umwallung)

- Ablichtungen der keltischen Siedlungs-Grundrisse sind zu finden von Niederzier in Bonner Jahrbuch, Bd.207, 2007, S.40-41, Maßstab 1:1200,  von dem Ortskern von Marmagen in einer Karte von 1823, Maßstab 1:1250.

- Johann Friedrich Schannat schreibt, dass zur Zeit des Augustus römische vici als Militärlager gebaut wurden, von denen aus die römischen Truppen in der Stunde der Gefahr den bedrängten Legionen entlang der Rheingrenze zu Hilfe eilen konnten. An anderer Stelle heißt es: Legionen wurden ins Trevererland gelegt, um eroberte Gebiete zu sichern.

 - Abschließend sei bemerkt, dass ich selbst auf meinem Schulweg zum Gymnasium  unzählbar oft am westlichen Arm der Römerstraße westlich vom Marmagener Ortskern , 50 m nördlich der heutigen Mühlenstraße an einem Stein mit der Inschrift  ‚Marcomagus‘ vorbeigekommen bin.

Zusammenfassend sei gesagt:

 - Erst seit dem letzten Jahrhundert sprechen Wissenschaftler vom 'vicus marcomagus'', obwohl diese Bezeichnung meines Wissens weder auf der Tabula Peutingeriana noch im Itinerarium Antonini  für Marcomagus  auftaucht.  Spätere Wissenschaftler haben vermutlich den Fehler übernommen, ohne zu merken, dass im Itinerarium Antonini nicht von einem „vicus marcomagus“, sondern von „marcomago vicus“ die Rede ist.

-Den Unterschied brauche ich Allen, die sich in der lateinischen Sprache auskennen, nicht zu erläutern.

-Für alle Anderen sei gesagt:

 vicus marcomagus“ meint einen vicus (Ort) mit dem Namen Marcomagus.

marcomago vicus“ meint einen Ort, in der Gegend bei Marcomagus

- Es ist somit nicht abwegig zu sagen,  dass es  einen römischen vicus marcomagus namentlich  nicht gegeben hat. Und weil es ihn nicht gegeben hat, kann man ihn auch nicht finden.

- Marcomagus aber lässt sich finden, wenn man  alle Funde und historischen Erkenntnisse, die ich in meiner Schrift aus dem Jahre 1995 zum Thema ‚Marcomagus zur Zeit der Römer‘ bzw. in meiner Dorfchronik 'Marmagen 2000' dargelegt habe, berücksichtigt.
 
- Mir scheint die Feststellung, Marcomagus und Marcomago vicus seien identisch, etwas voreilig, zumal die bisherigen archäologischen Funde für diese Aussage nicht ausreichen. Es gibt vorerst keinen Grund für die Marmagener, Marcomagus außerhalb ihres Ortskerns zu suchen.

- Es ist bestimmt sinnvoll, das Ergebnis der archäologischen Untersuchungen abzuwarten, um sich danach mit Experten über die Untersuchungen und das Ergebnis der Ausgrabungen zu unterhalten.

- Vielleicht wird ja von der Gemeinde oder dem Amt für Bodendenkmalpflege erneut ein wissenschaftliches Colloquium mit dem Thema ‚vicus  marcomagus oder marcomago vicus‘ anberaumt.

Literatur:

Bretz,Felix, 2000 Jahre Marmagen, Neuauflage, Marmagen 1995
Cäsar,Gaius Julius, Der Gallische Krieg, Stuttgart 1974
Ludus Latinus, Lateinische Grammatik, Klett Stuttgart, 1949
Ortisi, Salvatore: Neues zum römischen Nettersheim: Ein kurzer Grabungsbericht, Nettersheim 2011

Parthey G. et Pinder M.,Itinerarim Antonini Augusti et Hierosolymitanum, Berolini 1848
Pauly,
Der kleine, Lexikon der Antike, Bd.3, Stuttgart 1969
Schannat,Johann Friedr./Bärsch,Georg(Hrsg), Eiflia Illustrata, Bd I.1 Köln 1824
Weber, Ekkehard, Eine neue Ausgabe der Tabula Peutingeriana, in: Akten des XI. Internationalen Limeskongresses, Budapest o.J.
Weber, Ekkehard, Tabula Peutingeriana, Vollständige Faksimile-Ausgabe im Originalformat mit Kommentar, Graz 1976

v.Veith; Die Römerstraße von Trier nach Köln , in:  Bonner Jahrbuch LXXX,5 1884

Marmagen-Eifel



Marmagen, im April 2012

Felix Bretz